Das Dirndl (analog schwarzweiß und farbe)

Das Dirndl

Und es werden immer mehr …

(inzwischen kommt auch noch die Lederhose dazu… )

Seit ungefähr 10 Jahren (oder auch schon etwas länger) sieht man in der Stuttgarter-Gegend während des Cannstatter Wasens immer mehr Frauen, die Dirndl tragen. Zu meiner Jugendzeit, während der 90er Jahre, gab es dieses Phänomen noch nicht. Aus diesem Grund sind mir die vielen Dirndlträgerinnen wahrscheinlich aufgefallen und ich wollte gerne Fotos von ihnen machen. Dazu habe ich noch ein paar Gedanken und Fragen formuliert, die mir (und anderen) zur Zunahme dieser Tracht gekommen sind.

 

Außerdem habe ich ein paar ganz kleine Interviews mit einigen Dirndlträgerinnen, die mir auf dem Cannstatter Wasen vors Mikrofon gelaufen sind,  geführt. Ich wollte die jungen Frauen gerne selbst zu Wort kommen lassen. Neben dem Verweis auf Tradition und dem Feeling auf dem Wasen, haben die meisten gesagt, dass sie Dirndl tragen, weil es einfach gut aussieht, mal was anderes ist und eine gute Figur macht. Vielleicht ist das Dirndltragen für viele also einfach eine schöne Spielerei, ein Verkleiden, Kostümieren, ein Spiel mit dem eigenen Körper und ein „Sich-Schön-Machen“ – auch für sich selbst. Ich bin überzeugt davon, dass Frauen sich auch für sich selbst „schön-machen“.

 

Als ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis die Frage nach der Verbreitung des Dirndls gestellt habe, kam häufig die Überlegung, es könne der Wunsch zurück nach Tradition und so etwas wie Heimat dahinter stecken. Dies in einer Welt, die zunehmend unsicherer und unüberschaubarer wird. Eine Bekannte hat sich gefragt, ob es vielleicht mit einer Art von neuem Nationalgefühl zu tun hat. Letzteres erinnert an die Verbreitung des Tragens von Deutschlandfarben im Rahmen von Fußball WM und EM. Beides ist sicherlich nicht jedermanns Sache und muss es auch nicht sein. Da wir aber ein einer pluralistischen Gesellschaft leben – und sicherlich auch leben wollen – ist es doch wünschenswert, hier den jeweils anders Denkenden und Handelnden zu respektieren und zu akzeptieren. Zumindest dann, wenn dieses Denken und Handeln mit den Werten übereinstimmt, die bei uns im Grundgesetz verankert sind, wie: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Hierbei ist eben auch die Würde desjenigen gemeint, der etwas anders ist oder aus einem anderen Land kommt.

 

Vielleicht muss das Tragen von deutschen (oder bayrischen) Trachten oder von deutschen Nationalfarben auch nicht unbedingt bedeuten, dass man sich besser fühlt als andere Nationen. Vielleicht kann es ein Nebeneinander verschiedener Kulturen und Nationen geben, ohne den Glauben daran, dass die eine Kultur besser sein muss als die andere. Die Frage, die sich bei mir in der Diskussion mit Freunden häufig stellt, ist die, inwiefern es einen Patriotismus geben kann, der nicht mit dem Glauben einhergeht, die eigene Heimat / Kultur oder gar Nation sei besser als die andere. Oder einfacher ausgedrückt: Muss so etwas wie Patriotismus immer mit dem Gefühl der eigenen Überlegenheit verbunden sein? Es wäre sicherlich  wünschenswert, wenn dem nicht so wäre.

 

Ich selbst könnte mir übrigens vorstellen ein (in meinen Augen) geschmackvolles Dirndl zu tragen, würde es dann aber nicht zu einem Volksfest anziehen. Das ist einfach nicht mein Ding und muss es ja auch nicht sein. Akzeptanz muss immer in verschiedene Richtungen gehen, denke ich.

 

PS. Ich persönlich trage, ehrlich gesagt, keine Nationalfarben, weder zu Fußball-Großereignissen noch sonstwo. Auch kann ich die ältere Frau verstehen, die ich nach einem gewonnenen Deutschland-WM-Spiel an der Bushaltestelle getroffen habe und die sich aufgrund der vielen Deutschland-Farben und Fahnen doch recht unwohl gefühlt hat. „Da fühlt man sich an anderes erinnert“, hat sie dazu zu mir gesagt. Das ist Deutschland eben auch. Und ich finde es immer noch wichtig zu zeigen, dass man aus der Geschichte gelernt hat. Vielleicht wäre es schön, wenn das „typisch deutsch“ wäre. Also halt, wenn es zu so etwas wie „deutsch sein – in Deutschland geboren sein – an der deutschen Gesellschaft zu partizipieren“ dazu gehören würde zu zeigen, dass man aus Vergangenem gelernt hat. Dabei kann es dann egal sein, ob man sich, anlässlich von Fußballspielen schwarz-rot-gelbe Streifen auf die Backe malt oder nicht. Oder ob man – zu welchen Anlässen auch immer – Dirndl (und Lederhose) trägt, oder nicht.

Die Verantwortung, zu zeigen, dass man es jetzt besser machen will, kann man

ja (trotzdem…) immer ein bisschen leben. Jeder in seinem eigenen kleinen, alltäglichen Leben.

 

(2) Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Susanne,
    mir gefallen Dirndl. Als ich so um die 14 Jahre alt war habe ich mir selbst ein Kleid im Dirndl Stil genäht, halt ohne Schürze. Mir gefallen insbesondere die Dirndl im traditionellen Stil, einfach weil sie auch Geschichte haben. Vor ca. 35 Jahren habe ich mir auf Ibiza ein Schultertuch gekauft, das dort früher im Alltag von den Bäuerinnen getragen wurde, aber auch zu den Inseltrachten gehört. Sowas dürfte man heute kaum noch kaufen können. Diese alten Sachen haben irgendwie etwas, man hat so Kleidungsstücke im Grunde auch für ganz viele Jahre angefertigt und auch benutzt, auch dies ist damit verbunden. Die Tochter meiner Schreibkraft heiratete im Dirndl, gar nicht so schlecht.
    Lederhosen finde ich dagegen schrecklich, ich kann damit gar nichts Positives verbinden, auch nicht mit Jankern und dergleichen, da lauf ich grad davon.
    Grüsse, Maria

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    • Liebe Maria,

      danke für den Kommentar! Zu Lederhosen habe ich auch ein anderes Gefühl als zum Dirndl. Sie haben für mich mehr so etwas „Dominantes“, irgendwie. Aber vielleicht kommt es auch darauf an, wer sie trägt. Wenn sie ein kleiner Junge trägt, ist das sicher nicht so. Aber bei so „Halbstarken“ oder erwachsenen Männern, doch irgenwie schon eher, wobei es da auch Unterschiede gibt. Naja es gibt aber auch Dirndl, die schrecklich aussehen.
      Viele Grüße Susanne

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